7. September 2017

Rosa Elefant AfD

Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten. Das Ergebnis? Genau. So läuft es zur Zeit auch mit der AfD. Hoffentlich wählt die Deppen keiner. Das Ergebnis? Im Moment zweistellige Prozentzahlen in den Umfragen. Und die Medien assistieren tatkräftig. Zur Zeit kommen kaum Flüchtlinge in Deutschland an? Egal, reden wir im TV-Duell einfach 40 Minuten über Migration, Abschiebung und Islam – befeuert von kamerageilen Egomännchen wie Claus Strunz, der alles andere gelernt hat als Journalismus.

Doch halt, freut euch nicht zu früh, das hier soll keines der üblichen Medienbashings werden. Denn die Medien sind wir. Die Rechten feiern vor allem in den auf Emotionen ausgelegten sozialen Medien Erfolge. Aber obwohl Analysten von FAZ bis Sascha Lobo die geplanten Empörungsspiralen der AfD schon vor Monaten enttarnt haben, postet jeder Facebook-Besorgte trotzdem dreimal täglich, wie lächerlich er Weidels Talkshow-Abgang findet und wie empörend Gaulands Gebrabbel doch sei.

Die Krönung sind Profilbilder wie "Ich wähle nicht die AfD". Klasse. Und wieder stehen die drei Buchstaben unauslöschbar irgendwo im Internet. Aussage der Postings: Ich gehöre zu den Guten. Wirkung: Null. Oder glaubt irgendjemand tatsächlich, dass er durch "klare Kante" AfD-Wähler vom Kreuzchen auf dem Wahlzettel abhält? Da kann Böhmermann noch so oft auf den Tisch hauen. Das liberale Lager zu sammeln, mag ein hehres Ziel sein, führt aber genau dazu, dass sich auf der anderen Seite auch die weniger Rechtschaffenen prächtig formieren können.

Damit wir uns richtig verstehen: Es geht mir nicht um Konsens mit oder Anbiederung an die extreme Rechte. Fatal finde ich aber, jeden Prozentpunkt für die AfD als nationale Katastrophe zu beheulen. Denn genau dann wird ein gutes Wahlergebnis der braunen Suppenkasper auch zu einer Katastrophe. Self-Fulfilling Prophecy nennt sich so was. Der AfD machen wir den Vorwurf, dass sie mit den Ängsten der Bürger spielt. Und was machen wir? Sitzen am Steuer und schauen immerzu auf den Baum, mit dem wir auf keinen Fall zusammenstoßen wollen. Das lähmt. Politik ist so viel mehr, als nur gegen die AfD zu sein und zu jeder Wahl die Antifa-Fahne aus dem Schrank zu holen.

Die AfD "verhindern"? Sorry, aber der Zug ist zumindest für die Bundestagswahl abgefahren. Geht wählen, klar, aber bitte hört auf, den Populisten ein größeres Forum zu bieten, als ihnen gerecht wird.

30. Januar 2017

Neulich im Heimkino - Teil VII

Und weiter geht's mit ein paar Gedanken zu dem einen oder anderen Heimkino-Stream:

Julieta
In einer der ersten Szenen liest die Hauptdarstellerin ein Buch mit dem Titel "Die griechische Tragödie". Nomen ist Omen: Almodóvar stellt in "Julieta" die Tragödie als Kunstform an sich in den Vordergrund. Die Figuren werden dabei bisweilen leider vernachlässigt beziehungsweise so hin und her geschoben und aus dem Spiel genommen, wie es der Geschichte zuträglich ist. Das war mir bisweilen fast zu gewollt. Vor allem das Ende wirkt arg konstruiert, Hauptsache maximales Drama. Das finde ich etwas schade, da der Regisseur in seinen anderen Werken meist sehr nah beim Menschen ist.

Tage am Strand
Tolle Strandkulisse, die für eine halbinzestuöse Geschichte nach Doris Lessings "The Grandmothers" herhalten muss: Zwei heranwachsende Söhne verlieben sich jeweils in die Mutter des anderen und gehen, mangels vorhandener Väter, auch bald in einen mehr oder weniger offenen Beziehungsstatus über. Dass dies nicht nur aufgrund des Altersunterschiedes sondern auch wegen neuer gleichaltriger Partner für Komplikationen sorgt, bringt der Film recht gut auf die Leinwand. Allerdings wird das Thema trotz aller Tragik recht sanft transportiert, gerade das Tabu "Alte Frau, junger Mann" kommt nicht wirklich realistisch rüber, da bei den beiden "Großmüttern", Hollywood-Schönheiten Naomi Watts und Robin Wright, der Lack bisher wirklich nur unmerklich blättert. Sprich, außer der etwas wilden Beziehung hat eigentlich keiner der Protagonisten wirkliche Probleme: Alle sehen blendend aus, leben im Luxus und immerwährenden Sommer, haben keine Geldsorgen und außer Baden und Surfen und gelegentlichen Besuchen im Büro nie wirklich viel zu tun. Insgesamt also ein doch recht künstliches Setting für eine durchaus interessante Grundthematik.

Alles inklusive
Puh. Too much. Doris Dörrie packt in knapp zwei Stunden Material, das auch für mehrere eigenständige Filme gereicht hätte: Hippie-Eltern gegen spießigen Nachwuchs, Beziehungsunfähigkeit und Bindungsängste, Depression, Transgender-Selbstfindung, Flüchtlinge aus Afrika, Wohlstandswelten und All-Inklusive-Schrecken und und und. Das führt dann alles in allem zu einem etwas verwirrenden Gesamtbild und trotzdem kommen am Ende alle irgendwie zusammen, vom Scheitern zum Glück und wieder zurück, sich selbst suchen in Etappen. Insgesamt kein schlechter Film mit einigen schönen Szenen, mir alles in allem aber einfach zu vollgestopft und dadurch letztendlich emotional auch nicht wirklich mitnehmend.

9. Januar 2017

2016 in Büchern



Die Kinder werden älter – was ich unter anderem daran merke, dass ich wieder mehr zum Lesen komme. Gut 35 Bücher waren es letztes Jahr. Ein neues Lieblingsbuch war nicht darunter, obwohl Donald Ray Pollock mit Knockemstiff in grandioser Art den Holzhammer der Hoffnungslosigkeit auspackt. Und Jeff Vandermeer mit seiner Southern-Reach-Trilogie der phantastischen Literatur ein paar schöne Impulse geben kann. Fast immer gut sind außerdem Julian Barnes, James Lee Burke und Fred Vargas (eine der wenigen von mir gelesenen Autorinnen). Für 2017 sind 40 Bücher angepeilt.